… von der Ostsee. Ahoi, Kapitän
Juni 22nd, 2010Håkan sei die schwedische Form des altnordischen Namens Hákon mit der Bedeutung ”Hoher Sohn”, so sagt Wikipedia. Das muss der Grund sein, warum ein gefühltes Viertel der Schweden auf Håkan oder Haakon hört, darunter Fußballspieler, Schriftsteller, Musiker sowie ein Kronprinz.

So nimmt es auch nicht Wunder, dass der Kapitän der ”Peter Pan”, die zwischen Travemünde und Trelleborg pendelt, ebenfalls zum håkanisierten Teil der Bevölkerung zählt. Der zweite Kapitän an Bord ist allerdings eine Frau.
Bei Bilderbuchwetter legt das Schiff Punkt 10 Uhr in Travemünde ab, und es ist nicht die einzige Großfähre, die sich durch die schmale Hafeneinfahrt vom Skandinavienkai Richtung Ostsee bewegt. Vom Sonnendeck des knapp 30 Meter hohen Schiffs aus erscheint Travemünde noch beschaulicher, als es tatsächlich ist.
Inzwischen haben sich viele Passagiere auf Deck 10 versammelt, die zuvor noch schwedische Köttbullar [ɕœtbɵlːar] und Knäckebrot im Speisesaal probiert haben – natürlich neben dem handelsüblichen Frühstück. Die Fotoapparate zurren und klicken: Yachthafen, Viermastbark, Strandpromenade. Dann das Meer.
Brav und ruhig ist es heute. Mit dem gleichmäßigen Brummen des diesel-elektrischen Antriebs zieht das Schiff eine ganze Weile die mecklenburgische Küste entlang. Aber zurück zu Håkan. Weil man ohne Sonnencreme auf dem Oberdeck schon nach einer halben Stunde krebsrote Haut bekommt, und ein Besuch auf der Brücke nicht nur Schatten sondern auch wertvolle Informationen verspricht, besuchen wir den Mann mit Hausrecht an Bord.
Pssst! Zunächst geht es an den Kabinen des Personals vorbei, und hier könnten einige Schichtdienstler noch schlafen. Dann öffnet sich eine schwere Sicherheitstür, und wir dürfen eintreten in das Reich der Schiffslenker. HighTech, wohin das Auge auch sieht, kontrolliert von einer Handvoll Manpower. Håkan wirkt brückenblass, wenn auch frisch und locker nach bester Schwedenmanier.
Vor allem aber verbreitet er Zuversicht und Glauben in die Technik: “Wir finden selbst bei dichtestem Nebel den Weg.” Die Brücke liegt vor dem Sonnenareal auf Deck 10 und bietet fast einen Rundumblick. Doch die Navigierer können sich blind auf ihr Radar und die elektronische Kartographie verlassen.
“Fast alle gelben Punkte sind Schiffe”, erklärt Håkan mit Blick auf den Kollegen, der konzentriert vorm dunklen Radarschirm hockt und seine nähere Umgebung ignoriert. Draußen taucht die dänische Insel Møn mit ihrer steilen Kreideküste inmitten der tiefblauen Ostseewasser auf und erinnert plastisch daran, dass sie aus sehr altem Muschelkalk besteht. Schlappe 17 Millionen Jahre alt.
Während am Sonnendeck wieder die Fotoapparate gezückt werden, um den strukturierten Streifen am Horizont zu fokussieren, zuckt die Crew nicht mal mit der Wimper. An Møn zieht man schließlich tagtäglich vorbei. Spannender wird es für sie erst wieder bei der Einfahrt ins schwedische Trelleborg, wenn das 190 Meter breite Schiff durch die Fahrrinne zur Anlegestelle gelotst werden muss.
Aber genauso pünktlich wie wir in Travemünde abgelegt haben, ist die Fähre in Trelleborg um 17.15 Uhr bereit zum Entladen. Alles nach Plan also – oder präziser: nach Håkanscher Konzeption.








